Kim Kardashians blutiger Kampf gegen Falten

Dr. med. Dan Iselin auf 20min.ch (vom 21. März 2013)

Reality-Star Kim Kardashian will jung und faltenfrei sein. Dafür liess sie sich jetzt sogar von Graf Dracula inspirieren. Willkommen bei Kims Horror-Show. Botox, Hyaluronsäure oder doch unters Skalpell – es gibt unzählige Methoden, Krähenfüsse und Lachfalten glatt zu bügeln. Der neuste Trend aus Hollywood ist die Faltenunterspritzung mit Eigenblut.


(Text: Isabelle Riederer 20min.ch) Dem sogenannten Vampir-Lifting unterzog sich jetzt auch Reality-Star Kim Kardashian und stellte die blutigen Bilder ihres malträtierten Gesichts sogleich auf Twitter. Doch bringt diese neue Methode überhaupt etwas, abgesehen von einer Visage wie aus der Rocky Horror Picture Show? Und wie funktioniert sie? Doktor Dan Iselin klärt auf: «Dem Vampir-Lifting geht eine Blutentnahme voran, wobei in einem anschliessenden Verfahren die Blutbestandteile voneinander getrennt werden. Insbesondere die roten Blutkörperchen werden vom Plasma getrennt. Das Plasma wird dann zur Faltenbekämpfung unter die Haut gespritzt.»

«Langzeitwirkung ziemlich inkonsistent»

Das Vampir-Lifting, in Fachkreisen PRP-Rejuvenation genannt, ist in den USA der letzte Schrei, nebst Kim bekannte sich jüngst aus Popsängerin Kylie Minogue dazu. Womöglich doch ein Geheimrezept aus Draculas Kochbuch? «Ich würde es eher als eine ergänzende Behandlung einstufen», erklärt Iselin gegenüber 20 Minuten Online, und weiter: «Die Langzeitwirkung ist ziemlich inkonsistent und auf eine eher kurze Zeitspanne beschränkt.»

Auch Professorin Getrude Beer, Spezalistin für Plastische und Ästhetische Chirurgie, ist von der Lifting-Methode wenig überzeugt: «Eine junge Frau, wie es Kim mit 32 Jahren ist, hat eine solche Behandlung nicht nötig, und wenn man sieht, wie man nach dieser Behandlung aussieht, sollte doch der Hausverstand einschalten.»

Fragwürdiges Verfahren

Das Verfahren mit vielen hundert Nadelstichen und Injektionen, genannt Needling, ist ihrer Meinung nach sehr fragwürdig. «Ob jetzt da Eigenblut, also Plasma, oder angereichertes Plasma gespritzt wird, der Effekt liegt schliesslich einfach darin, dass man für 3 bis 6 Wochen ein geschwollenes Gesicht hat und somit natürlich auch keine Falten. Doch sobald die Wirkung nachlässt, wäre die nächste Behandlung fällig.» Hinzu kommt, dass die Behandlung sehr aufwendig und teuer ist.

Alles für die Schönheit – Schafplazenta, Nashornpulver und Vogelkot

Doch zum Glück haben die Hollywood-Ladys noch weitere Verjüngungsstrategien in ihrem Nähkästchen bereit. Schafplazenta, Nashornpulver und Vogelkot sind nur ein paar wenige der bizarren Mittelchen, die da zur Faltenbekämpfung zum Einsatz kommen. Mehr dazu erfahren Sie in der Bildstrecke.

Quelle: Dr. med. Dan Iselin auf 20min.ch (2013)


Im Bericht erwähnte Behandlungen

Botox – gespritztes Glück?

Dr. med. Dan Iselin im Club (SRF) vom 24. Juli 2012

Der Siegeszug des Faltenkillers Botox ist nicht aufzuhalten. In allen Schichten wird gegen Falten gespritz. Lässt sich der Alterungsprozess aufhalten und zu welchem Preis? Ist die Botoxspritze natürliche oder perverse Konsequenz des Machbaren? Mona Vetsch im «Club» über Schönheit, Ethik und Wahn.


 

 

Der Siegeszug des Faltenkillers Botox ist nicht aufzuhalten. In allen Schichten wird gegen Falten gespritz. Lässt sich der Alterungsprozess aufhalten und zu welchem Preis? Ist die Botoxspritze natürliche oder perverse Konsequenz des Machbaren? Mona Vetsch im «Club» über Schönheit, Ethik und Wahn.

Die Schönheit aus der Spritze ist begehrt wie nie zuvor. Die Schweiz gilt als Botox-Hochburg des faltenglättenden Giftes mit 200 000 Eingriffen allein im letzten Jahr.
Ist das Wegspritzen mimischer Falten so selbstverständlich geworden wie der Coiffeurbesuch?

Ist selber schuld, wessen Gesicht alt und faltig wird? Und ist diese Entwicklung abartig oder nur eine logische Folge der medizinischen Möglichkeiten?

Gesprächsgäste

  • Claudia Meuli-Simmen, Chefärztin Plastische Chirurgie Kantonsspital Aarau
  • Susanne Brauer, Ethikerin
  • Bea Petri, Inhaberin Schminkbar, Beraterin
  • Grazia Covre, Choreographin, ehemalige Tänzerin
  • Dan Iselin, Arzt und Spezialist für ästhetische Behandlungen
  • Corinne Hobi, Kommunikationsberaterin, Coach

Quelle: Dr. med. Dan Iselin im Club / SRF (2012)


Im Bericht erwähnte Behandlungen

Fältchenfrei ohne OP: Unterspritzung mit Filler oder Botox

Dr. med. Dan Iselin auf annabelle.ch (2012)

Falten unterspritzen mit Filler oder Botox – in manchen Praxen ist das schon ohne Voranmeldung möglich. Ab wann ist eine Faltenbehandlung mit Filler oder Botox sinnvoll? Sobald eine tatsächliche Behandlungs-Indikation besteht, also Falten auftreten, die sich mit Hyaluron-Filler (Nasolabial- oder Marionettenfalten) oder Botulinumtoxin (Mimikfalten wie Krähenfüsse, Stirnrunzeln und Zornesfalten) ausgleichen lassen.

(Interview & Text: Monique Henrich; Illustration: Tina Berning).


  (Illustration: Tina Berning  )
(Illustration: Tina Berning )

Ist der Effekt nachhaltig?

Die Wirkung hält in der Regel drei bis sechs Monate an.

Wie lange dauert die Behandlung?

Je nach Anzahl der Injektionszonen dauert eine Botoxbehandlung rund 15 Minuten. Bei Fillerbehandlungen inklusive Einwirkungszeit der Betäubungscrème zirka 1 Stunde.

Tuts weh?

Die Behandlung schmerzt kaum: Botox wird mit feinen Nadeln gespritzt, vor den Fillerinjektionen wird mit Betäubungscrème desensibilisiert.

Ist eine Auszeit nötig?

Nein. Während der ersten 24 Stunden Verzicht auf Aktivitäten wie Sauna, Poweryoga, Gesichtsmassagen.

Gibts Risiken und Nebenwirkungen?

An den Einstichstellen sind kleine Schwellungen, Rötungen und minimale Blutergüsse möglich, die sich überschminken lassen. Mögliche Begleiterscheinungen: Kopfschmerzen und Spannungsgefühle, die rasch abklingen. Bei Hyaluronsäure-Injektionen kann es allergische Reaktionen geben. Bei Behandlungen mit Botulinumtoxin und vor allem an den Plisseefältchen an Oberlippe oder Mundwinkeln kann sich während einiger Tage eine Schwächung der Muskulatur einstellen, wodurch die Aufnahme von Flüssigkeit erschwert wird.

Was kostets?

Der Preis ist abhängig vom Materialverbrauch: Botox ab 300 Franken, Fillerbehandlung mit Hyaluronsäure ab 600 Franken. Ärztliche Empfehlung Regelmässige Anwendung kann die Dosis verringern und den Abstand zwischen den Treatments verlängern.

Sonstiges

Manche Praxen haben ein Walk-in-Konzept, die zudem ein Online-Reservationssystem anbietet. Online gebuchte Behandlungen werden zumeist innerhalb von 24 Stunden, Walk-in-Behandlungen nach Möglichkeit sofort durchgeführt. Erstkundinnen und -kunden erhalten vorher ein individuelles Beratungsgespräch. Es kann allerdings vorkommen, dass es trotz Online-Buchung Wartezeiten von einigen Tagen gibt.

 

Quelle: Dr. med. Dan Iselin auf annabelle.ch (2012)


Im Bericht erwähnte Behandlungen

Bügeln bitte

Dr. med. Dan Iselin auf NZZ.ch (vom 29. April 2012)

Nicole Kidman hat es getan. Julia Roberts. Teri Hatcher. Bestimmt auch Carla Bruni. Und warum sieht eigentlich Wladimir Putins sechzigjähriges Gesicht immer noch so aus, als sei es soeben aus einem Ei geschält worden? Zehn Jahre ist es diesen Monat her.


(Text NZZ). Nicole Kidman hat es getan. Julia Roberts. Teri Hatcher. Bestimmt auch Carla Bruni. Und warum sieht eigentlich Wladimir Putins sechzigjähriges Gesicht immer noch so aus, als sei es soeben aus einem Ei geschält worden?

Zehn Jahre ist es diesen Monat her, dass wir glatte Haut nicht mehr automatisch mit Jugend oder guten Genen assoziieren – oder dann gleich mit einem Facelifting. Zehn Jahre ist es her, dass die US Food and Drug Administration (FDA) das faltenglättende Gift Botulinumtoxin A, kurz Botox, zur kosmetischen Behandlung zuliess und damit einen Boom auslöste.

In den USA, dem weltweit grössten Botoxmarkt, gab es 5,7 Millionen Behandlungen allein im Jahr 2011 – 5 Prozent mehr als im Vorjahr (gemäss der American Society for Aesthetic Plastic Surgery). Für Europa fehlen vergleichbare Zahlen, Ärzte gehen aber von einem noch stärkeren Wachstum aus. Nach Auskunft der Firma Acredis, eines 2006 gegründeten unabhängigen Beratungszentrums für ästhetische Chirurgie, ist etwa in Deutschland 2011 22 Prozent mehr Botox gespritzt worden als im Vorjahr. In der Schweiz, wo der Acredis-Geschäftsführer Stephan Haegeli und viele andere Spezialisten den weltweit grössten Botox-Verbrauch pro Kopf vermuten, betrug das Wachstum 17 bis 20 Prozent (2010 waren es noch 15 Prozent gewesen).

Marktführer in der Botoxherstellung ist die US-Firma Allergan, die 2011 an ästhetischen Behandlungen fast 800 Millionen Dollar verdiente. Für die Schweiz macht Allergan keine Angaben. Aufgrund von Nachforschungen bei den Abnehmern lässt sich die Zahl der Behandlungen aber auf gut 200 000 hochrechnen. Geht man von einem durchschnittlichen Preis von 500 Franken pro Behandlung aus, so nahmen die rund 1100 auf Botox spezialisierten Schweizer Praxen und Kliniken 2011 demnach mehr als 100 Millionen Franken mit Botox ein.

Hoch oben auf der Botox-Welle schwimmt Dan Iselin von einer Botox-Klinik in Zürich. Sorgenfalten hat der 46-jährige Arzt schon deshalb keine, weil er und seine Kollegen in ihren schneeweissen Praxis-Zimmern von Kundinnen überschwemmt werden. Bis zu 30 seien es pro Tag, die Klinik sei Schweizer Marktleader, sagt Iselin, der mit rund 50 spezialisierten Kliniken allein im Raum Zürich und mit 55 am Genfersee zwischen Genf und Lausanne konkurriert. Und wohin fliesst Iselins Botox? «3 Prozent aller Schweizerinnen über 35 haben sich schon einmal behandeln lassen. Leute aus allen Gesellschaftsschichten, von der Putzfrau bis zum Professor.»

Wie bei allen Wohlstandsphänomenen ist auch hier ein Trickle-down-Effekt am Werk. Die Schönheit mit technischen beziehungsweise kulturellen Mitteln, einst ein Privileg von Adligen und später von Schauspielern und Pop-Stars, ist zum Konsumgut einer Allgemeinheit geworden, die mit steigender Lebenserwartung immer jünger aussehen will. Allerdings liegt dem Willen zur Schönheit am Ende wohl nicht viel mehr Freiheit zugrunde als beispielsweise Parlamentswahlen in gelenkten Demokratien. Schon immer war Körpergefühl gesellschaftlich determiniert, heute geben wirtschaftliche Interessen das Ideal vor. In Zeiten, in denen Firmen ihren Mitarbeitern neben den Zutaten des Lunchs (kein Knoblauch!) auch die Farbe der Socken und des Lippenstifts vorschreiben, votieren die Menschen automatisch und mit überwältigendem Mehr auch für glatte Gesichter.

Der klassische Fall ist einer wie Dieter (sein richtiger Name soll hier nicht genannt werden). Den 44-jährigen Basler Kleinunternehmer störte eigentlich nichts an seiner Erscheinung, als er sich Ende dreissig zur ersten Botox-Injektion entschloss. Dennoch sah er das Problem bleibender Stirnfalten auf sich zukommen. Als Dieter die erste Behandlung überstanden hatte, als die Einstich-«Püggel» in seinem Gesicht abgeschwollen und nach drei, vier Tagen ein «Erfrischungseffekt» sichtbar wurde, war er «völlig begeistert». Weil sein Arzt vorsichtig dosiere, habe er nach den ersten Injektionen noch drei, vier, fünf Nachbehandlungen in Anspruch nehmen müssen – heute genügen zwei Sessionen pro Jahr. Nach den Sessionen wird er zehn Jahre jünger geschätzt als vor den Sessionen. Dem Angebot des Arztes, sich zusätzlich die Schläfen mit einem «Filler» polstern zu lassen, hat er bisher widerstanden.

Quelle: Dr. med. Dan Iselin auf NZZ.ch (2012)


Im Bericht erwähnte Behandlungen

Wie gefährlich ist Botox?

Dr. med. Dan Iselin im Kasensturz (SRF) vom 26. Juni 2008

 

Quelle: Dr. med. Dan Iselin im Kassensturz / SRF (2008)

 


Im Bericht erwähnte Behandlungen

Dr. med. Dan Iselin bei TeleZüri (TalkTäglich)

Dr. med. Dan Iselin bei TeleZüri (TalkTäglich) 18. März 2008

Schönheitswahn? Wer sind die Zielgruppen von ästhetischen Gesichtsbehandlungen? Nur Frauen? Auch Männer? Wie läuft das mit dem Botox spritzen? Schmerzen? Was sind die Nebenwirkungen? TeleZüri-Moderator Hugo Bigi fragt nach und testet die Rhetorik- und Auftrittskompetenz seiner Gesprächspartner im TalkTäglich bei TeleZüri.


 

Quelle: Dr. med. Dan Iselin bei TeleZüri (TalkTäglich) 18. März 2008

 


Im Bericht erwähnte Behandlungen

Mit Spritze und Laser gegen die Zeichen der Zeit

Dr. med. Dan Iselin auf NZZ.ch (vom 21. Ferbruar 2008)

Skalpell und Spritze helfen der Natur auf die Sprünge: In Zürich floriert das Geschäft mit der Schönheit. Praxen und Studios nach dem amerikanischen «Walk-in»-Prinzip halten Einzug. Die Inhaber stossen bei Ärzteverbänden auf Argwohn.


(Text vn @NZZ). Seit neun Monaten glätten die Zürcher Ärzte Dan Iselin und Philippe Snozzi ihren Kunden über Mittag die Haut. Ihr Botox-Studio, das sie 2007 in einem ehemaligen Coiffeursalon im Niederdorf eröffnet hatten, sorgte für ein kontroverses mediales Echo. Jeden Montag setzen die Kollegen zwischen 9 Uhr in der Früh und 22 Uhr abends die Spritze an. Ihr Rezept für Jugend und Frische heisst Botulinumtoxin, kurz Botox genannt. Rund 27 Kunden behandeln sie durchschnittlich an einem Montag – den Rest der Woche assistieren die Ärzte orthopädischen Kollegen im Operationssaal. Denn mit anderen Jungunternehmern haben sie gemein, dass der steinige Weg zur eigenen Firma mit «Nebenjobs» finanziert werden muss. Doch die grosse Nachfrage machte der Botox-Klinik den Start nicht schwierig: Die Mediziner wollen bereits expandieren.

Werbung bagatellisiert die Eingriffe

In der Innenstadt lockt die ewige Jugend von auffälligen Plakaten, die diverse, durchwegs «simple» Methoden der Verschönerung anpreisen. «Gesichtsfalten sind so willkommen wie der Besuch der Schwiegermutter am Sonntag», schreibt die Zolliker Klinik Swissestetix in einer Zeitungswerbung. Und hält einige Zeilen weiter die tröstliche Nachricht bereit: «Im Vergleich zur Schwiegermutter wird man Falten heutzutage schnell wieder los» – am besten während der Mittagspause. Catherine Perrin, Geschäftsführerin der Schweizerischen Gesellschaft für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie (SGPRAC) befürchtet durch die Werbung eine «Bagatellisierung von medizinischen Eingriffen». Gemäss den Standesregeln, welche die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) vorsieht, ist es einem Mediziner untersagt, seine Dienstleistungen zu vermarkten. «Einige tun es trotzdem.» Perrin bemängelt, dass viele Praxen in ihren Internetauftritten und Werbebotschaften kaum über mögliche Nebenwirkungen ihrer Methode aufklären. Der Kantonsärztliche Dienst Zürich kann seinerseits nur intervenieren, wenn irreführende Informationen vorliegen – etwa, wenn Silikonimplantate als gesundheitsfördernd vermarktet würden.

«Wir haben Kunden, nicht Patienten»

«Medizin darf nicht als Produkt angepriesen werden», sagt Catherine Perrin. Der 41-jährige Arzt Iselin, der aus ebendiesem Grund ins Kreuzfeuer der Kritik geraten war, sagt, er denke nicht anders. «Lifestyle-Behandlungen und die klassische Medizin bedürfen einer klaren Trennung», sagt er. In der klassischen Medizin gehe es ausschliesslich um die Heilung oder Linderung von Beschwerden kranker Menschen. Der Patient sei durch seine Krankheit auf den Arzt angewiesen. «Damit ein Arzt dieses Abhängigkeitsverhältnis nicht ausnutzen kann, besagen Standesregeln, dass Medizin nicht als Produkt verkauft werden darf.» Das sei sinnvoll, sagt auch Iselins Kollege Snozzi – aber nicht in der ästhetischen Medizin. «Wir haben keine Patienten, sondern Kunden.» Diese könnten frei über ihre Behandlungsoptionen entscheiden. Für den 31-jährigen Snozzi beginnt das ethische Problem, «wenn die klassische Medizin profitorientiert arbeitet». Das Haftpflichtrecht unterscheidet aber nicht grundsätzlich zwischen klassischer und ästhetischer Medizin: Behandlungsfehler bei ästhetischen Eingriffen werden nicht anders geahndet als solche, die bei medizinisch indizierten Operationen auftreten können. «Für rein ästhetische Eingriffe wird aber die Aufklärungspflicht stärker gewichtet», sagt Lucia Rabia, Fürsprecherin im FMH-Rechtsdienst. Missachtet der Arzt diese Aufklärungspflicht, haftet er nicht nur für seinen Fehler, sondern allenfalls auch für Komplikationen.

Schönheitschirurg kein geschützter Titel

Auch Roger Donati redet lieber von Kunden als von Patienten. Im April 2007 gründete er das Life Line Center. Das Schönheitszentrum im Kreis 2 bietet alles, was der jugendliche Look verlangt; vom Gesichts-Peeling bis zum Silikonimplantat. Seine Berufskarriere hat der Marketingfachmann einst als Elektroniker in der Medizintechnik begonnen. Sein Jungbrunnen heisst Ultraschalltechnik, den er mit dem pointierten Slogan «Fett weg über Mittag» anpreist. Die Behandlung zur Entfernung kleiner Fettdepots ist das Zugpferd seines Unternehmens. «Es ist ein völlig schmerzloser, nicht operativer Eingriff», sagt Donati, der Behandlungen mit Ultraschall und Laser selbst durchführt. Für operative Massnahmen wie Fettabsaugen, Lifting und Brustvergrösserungen ist ein eingemieteter Facharzt für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie zuständig. «Dem Kunden sollen alle Alternativen offenstehen.» Catherine Perrin behagt nicht, dass heutzutage «Hinz und Kunz kosmetische Eingriffe vornehmen». Nicht nur eine Operation berge Gefahren – auch vermeintlich einfache Verfahren mit Licht oder Laser könnten ins Auge gehen. Oft führten Kosmetikerinnen oder Angelernte Behandlungen durch, deren Schwierigkeitsgrad das Wissen eines Arztes erfordere. Perrin bemängelt auch, dass «Schönheitschirurg» kein geschützter Titel ist. Nach dem Staatsexamen und einer zweijährigen Weiterbildung ist es in der Schweiz jedem Arzt erlaubt, jene Eingriffe durchzuführen, die er sich zutraut. Die SGPRAC empfiehlt in ihrem neuen Ratgeber, nur Ärzte zu wählen, die über einen Facharzttitel für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie verfügen – er garantiert, dass sich der Arzt während sechs Jahren auf diesem Gebiet spezialisiert hat. In Frankreich etwa dürfen nur Fachärzte ästhetische Eingriffe vornehmen. «Uns bleibt derweil nichts anderes übrig, als auf den gesunden Menschenverstand des Arztes zu zählen», sagt Perrin.

«Keine neurotischen Narzissten»

Wie stehen die Unternehmer dem Geschäft mit der Illusion gegenüber? «Schönheit durch Jugendlichkeit war schon in der Antike ein Thema», sagt Roger Donati. Heute nutzten Menschen die Möglichkeiten, sich dieses Gefühl länger zu erhalten. «Und: Das Angebot richtet sich nach der Nachfrage.» Ihre Kunden, sagen Snozzi und Iselin, entsprächen kaum dem Klischee des neurotischen Narzissten. Es seien zumeist unkomplizierte Leute, die über ein klares Selbstbild und einen einfachen Wunsch verfügten. Trotzdem: Die Ärzte wissen, dass sie polarisieren. Das Duo gibt zuweilen ein klischiertes Bild ab. Bei ihrer Pose könnte man meinen, sie hätten selbst etwas zu viel von ihrer Verschönerungsmethode abbekommen. Das sei gewollt: «Es ist witzig und entlockt ein Augenzwinkern.»

Quelle: Dr. med. Dan Iselin auf NZZ.ch (2008)


Im Bericht erwähnte Behandlungen